Yoga

Ich fahre mit meinem kleinen schwarzen Golf nach Allgrammsdorf. Ein kleines Dorf in dem ich meine Vipassana-Zeit erleben werde. Noch bin ich ruhig, aber auch nur, weil mir noch nicht bewusst ist, auf was ich mich die nächsten 2 Wochen einlassen werde.

Vipassana bedeutet, die Dinge zu sehen, wie sie wirklich sind. Im Podcast von Laura Malina Seiler hatte ich das Erste Mal davon gehört. Mein Philosophie und Meditationslehrer Sudhir hat es während meiner Yogalehrerausbildung in Indien ebenfalls erwähnt. Und bei Christian Bischoff im Podcast kam es mir dann wieder unter. Ich wusste einfach, dass auch ich diese Erfahrung machen möchte. Bei Vipassana handelt es sich um eine buddhistische Meditationstechnik die du erlernst, um die Dinge zu sehen wie sie wirklich sind. Wir alle sehen die Welt nämlich nicht wie sie ist, sondern durch einen Filter aufgebaut durch langjährige Muster, Prägungen und Erfahrungen. So viel kann ich verraten, ich habe die Welt gesehen wie sie wirklich ist und bin dabei mental und emotional an meine Grenzen gegangen. Nein, ich wusste zeitweise nicht mal mehr, dass ob es da überhaupt noch eine Grenze gibt.

Tag 1: Ich komme an, auf einem wunderschön gelegenen, mit Schnee bedeckten Anwesen. Ein großes Haus mit wunderschönem Garten wartet da auf mich und nur mit Mühe kann ich meinen Koffer über die schneebedeckte Straße und den Garten schleppen. Durch das Fenster sehe ich schon einige Meditierende. Alle weiß gekleidet und sie sehen total entspannt und in sich gekehrt aus. Irgendwie ein komisches Bild. Fast bekomme ich ein mulmiges Gefühl und frage mich bereits jetzt: „Auf was habe ich mich da nur eingelassen“? Die liebe Elisabeth öffnet mir die Tür und bringt mich auch gleich auf mein Zimmer. Nach den Anmeldeformalitäten darf ich dann schweren Herzens mein Handy abgeben, kann gleich meine weiße Kleidung anziehen und Lora begrüßen, die ebenfalls gemeinsam mit mir (zur gleichen Zeit) diese Reise machen wird. Bereits jetzt darf ich nicht mehr (oder nur das Nötigste sprechen). Nach einer kurzen Pause werden Lora und ich in die Vipassana-Meditationstechnik eingeführt. Der Ablauf ist immer der Gleiche:

1. Eine achtsame Verbeugung die ca. 5 Minuten dauert
2. Es folgt eine Gehmeditation
3. Danach eine Sitzmeditation
4. Eine Liebe-und Güte-Meditation kommt zum Schluss (Das war mein Highlight schlechthin, denn in dieser schickst du all deinen Wichtigsten ganz viel Liebe)

Die Gehmeditation und Sitzmeditation startete jeweils mit 10 Minuten und wurde dann an jedem Tag um 5 Minuten verlängert, sodass wir nach 10 Tagen bei jeweils 1 Stunde waren. Wohl gemerkt, das wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Der Tagesablauf war folgendermaßen:

04.00 Uhr Aufstehen
06.30 Frühstück
11.00 Mittagessen
22.00 Uhr Schlafenszeit

Zudem hältst du dich während des gesamten Aufenthaltes an die 8 buddhistischen Gebote, die da wären:

1.kein lebendes Wesen zu töten
2.nicht stehlen
3.sich jeglicher sexueller Aktivitäten zu enthalten
4.nicht zu lügen
5.keine Rauschmittel irgendwelcher Art (einschließlich Tabak und Alkohol) zu sich zu nehmen
6.keine Nahrung nach 12 Uhr mittags zu sich zu nehmen
7.auf sinnliche Vergnügungen und Körperschmuck zu verzichten und
8.nicht in übertrieben weichen oder luxuriösen Betten zu schlafen.

Während dieser Zeit hältst du dich an die Meditationsrunden und darfst auch nicht früher ins Bett gehen oder später aufstehen. Zwischen den Runden hast du dann jeweils 15-25 Minuten Pause. Wir bekamen einen digitalen Timer, sodass wir immer genau wussten wie lange wir praktizieren.

Nach dieser kleinen Einführung wurden wir aufs Zimmer geschickt. So konnten wir bis um 22.00 Uhr Abends praktizieren. Wenn ich mir das jetzt so anschaue frage ich mich, wie ich das so lange ausgehalten habe. Es ist echt Wahnsinn. Schon der erste Nachmittag machte mich wahnsinnig. Von 17.00 bis 22.00 Uhr meditieren. Dazwischen die Pausen …klar… Aber oft waren die Pausen fast noch schlimmer als die Meditation selbst, weil du dich permanent fragst, warum du dir das eigentlich angetan hast. Um 22 Uhr habe ich mich dann frustriert ins Bett begeben, damit ich um 04.00 Uhr am nächsten Tag wieder aufstehen konnte.

Was denke ich eigentlich über mich und andere?

Es ist krass, wie sehr wir andere ver- oder beurteilen, und das wurde mir schnell klar. Ohne zu überlegen fällen wir Urteile über andere, obwohl wir sie nicht kennen, nichts über sie wissen oder sie gar verstehen. Das und auch meine Gedanken und Vorwürfe an mich selbst gerichtet wurden mir erst während dieser Zeit so richtig bewusst. Das Schöne ist, wenn es dir bewusst wird kannst du es irgendwann ablegen. Aber auch das, so wie die tägliche Meditationspraxis waren harte Arbeit, die mich oft mental und emotional an meine Grenzen gebracht haben.

Tag 2: Mit Mühe habe ich mich aus dem Bett geschleppt und wollte einfach nur, dass der Tag schnell vorbeigeht. Auch das war nicht der Fall. Bis zum Frühstück war es schon wirklich unerträglich, aber dann um 06.30 Uhr war mein Highlight da. Das Frühstück!! 🙂 Es ist so lustig, wie dankbar man wird für solche Dinge, wenn sie einfach nicht selbstverständlich sind. Ich muss sagen, das Essen war einfach super. Vegan – vegetarisch und beste Qualität, das Essen war klar mein Rettungsanker an schweren Tagen.
Nach dem Frühstück hatten Lora und ich eine Eröffnungszeremonie und nach einigen Meditationsrunden gab es das erste Gespräch mit Hildegard unserer Meditationslehrerin. Sie ist eine weiße, warmherzige, wissende und gütige Frau und dank ihr habe ich das alles durchgehalten. Jeden Tag hatten wir einen sogenannten Report mit ihr. Dann sprachen wir über den vergangenen Tag und reflektierten was wir gelernt hatten.
Ich wollte wirklich kein Jammerlappen sein, aber oh Gott, das alles war furchtbar. Meine Stimmung war gleich zu Beginn so schlecht, dass ich am Liebsten gleich heimgefahren wäre. Also fragte ich sie, ob sie mir sagen kann, ob es im laufe der Zeit besser werden würde, denn so könnte ich das keine weiteren 13 Tage überleben. Das fühlt sich nämlich an wie eine höllische Ewigkeit. Ich hatte jetzt erwartet, dass sie mich motivieren würde, aber sie sagte nur. Petra, das ist ein Trainingslager und glaub mir, aus jedem Trainingslager wirst du etwas für dich mitnehmen. Und was ist denn so frustrierend, das Tun oder der Gedanke darüber? Baaam… das wars, sie hatte vollkommen Recht. Eigentlich war es komplett logisch. Die Meditationspraxis musste erst erlernt und vertieft werden, dann konnte ich sie verstehen und dann machte das einen Sinn (irgendwie). Aber zu diesem Zeitpunkt war ich einfach nur super frustriert und auch Tag 2 zog sich so lang wie ein Kaugummi.

Tag 3. Neuer Tag neues Glück. Endlich, meine Stimmung war etwas besser geworden. Auch wenn die Meditationsrunden mit den Pausen immer noch frustrierend waren, hatte ich irgendwie neue Motivation gefunden. Was mich die letzten Tage stark begleitete war meine Smartphone-Abhängigkeit. Ich hatte immer Sorgen, ich könnte was verpassen, es könnte was passieren und so weiter… Ich muss euch sagen, mein Smartphone und ich hatten definitiv zu viel Zeit miteinander verbracht. Das wurde mir vor allem an diesem Tag bewusst. Wie oft verglich ich meine Fotos mit anderen auf Instagram. Wie oft wollte ich diese und jene Sache auch können nur um es auch zu können. Dabei verlor ich irgendwie auch die Sicht auf die wichtigen Dinge und habe oft schöne Momente einfach nicht richtig und bewusst wahrgenommen. Allein für diese Erkenntnis bin ich unheimlich dankbar. Und es war irgendwann sogar schön, einfach nicht erreichbar zu sein.

Außerdem hätte ich wahrscheinlich allen nur geschrieben wie schrecklich es ist und mir hätte vermutlich jeder geraten abzubrechen.

My Monkey Mind am Tag 4. Was ist eigentlich das Problem und warum meditieren wir  den lieben langen Tag? Das würde mir heute erstmals bewusst werden. Hildegard hat mir echt die Augen geöffnet. Eigentlich war meine Situation nicht schlimm, aber meine Gedanken über die Situation waren schlimm. Ich dachte zum Beispiel, was ich nicht alles tun könnte anstelle des blöden Meditierens. Wir bestehen aus Körper und Geist. Unser Geist sucht sich am liebsten spannendere Sachen, dramatische Sachen, unterhaltsame Sachen. Alles andere nur nicht im Moment zu sein. Er ist immer in Zukunft oder Vergangenheit aber so gut wie nie im Hier und Jetzt. Und genau das ist das Problem. Bringen wir unseren Geist in den jetzigen Moment (Wie in der Meditation) Ist alles genau so wie es ist. Und der jetzige Moment ist genauso gut wie er ist. Dann hören wir plötzlich auf uns zu vergleichen uns zu fragen was die Zukunft bringt oder was wir in der Vergangenheit hätten besser machen können.

Die Wahrheit ist doch: Die Vergangenheit ist vorbei, Geschichte, finito. Wir können sie nicht mehr rückgängig machen, warum also unsere gesamte Energie dort rein stecken wo eh nichts zu ändern ist. Und in der Zukunft sind wir auch nicht und werden wir nie sein, denn sie existiert nicht. Was existiert ist schlicht und ergreifend der jetzige Moment. Das Hier und das Jetzt.

Das ist so lustig, denn eigentlich wissen wir es doch alle, oder? Richtig verstanden habe ich es aber erst dann und erst dann fing der ganze Meditationswahnsinn an ein wenig Sinn zu machen. Wer meditiert weiß allerdings, dass das nicht so einfach ist und dass es harte Arbeit ist seinen Geist immer wieder abzuziehen und in den gegenwärtigen Moment zurückzubringen. Also hieß es auch weiterhin: Praktizieren, praktizieren, praktizieren.

Mein Geist ist übrigens super erfinderisch. Ich war in manchen Meditationsrunden so traurig, weil ich an etwas tragisches denken musste, dass in der Zukunft passieren könnte. Manchmal war ich einfach nur so voller Angst, weil ich nicht wusste, ob nicht jemand verunglückt und ich nicht da bin. Ein anderes mal schrie mich mein Geist an und sagte mir, ich soll gefälligst nach Hause fahren, das macht alles keinen Sinn und die Zeit ist so ewig lang, dass ich es niemals schaffen kann. Oft bin ich dem nachgegangen aber irgendwann bin ich drauf gekommen, dass das alles Kopfkino ist und wie Laura Malina Seiler es immer so schön sagt, das alles Bullshit-FM Radiofrequenz ist, die wir mit etwas Bewusstheit abstellen können.

Die weiteren Tage verliefen gut und schlecht. Manche Tage waren super schlecht und manche eigentlich ganz gut. Es ist verrückt ich bin eigentlich ein super positiver Mensch, aber hier war nichts mehr davon zu erkennen. Ich war fast depressiv. Hildegard erklärte mir, dass das normal ist. Die Eindrücke und alles Erlebte ist hier weitaus intensiver. Weil es hier keine Chance zur Ablenkung gibt. Also fühlte ich alles intensiver, und ich kann euch sagen, was war mehr als nur schmerzhaft.

Gefühle. Ja ein großes Thema, denn Gefühle kommen und gehen einfach so. Sie haben natürlich den Ursprung im Geist und jede Ursache hat eine Wirkung. Aber manchmal überkommen sie dich einfach und das habe ich jeden Tag aufs Neue spüren dürfen. Manchmal waren sie so intensiv, dass ich einfach während des Meditierens heulend zusammengebrochen bin. Und es waren keine neuen Gefühle. Ich kannte die Gefühle sehr gut aber im Alltag konnte ich mich super davon ablenken. Nur hier nicht. Hier musste ich durch und ich sag euch das war hart. So richtig hart. Es dauerte oft lange Meditationsrunden und viele Gedankengänge bis ich mich von einem Gefühl erholen und beruhigen konnte. Irgendwann erkannte ich daraus ein Muster. Gefühl kommt, ich muss es fühlen, dann kann ich es akzeptieren und dann loslassen. So einfach war das in der Theorie. In der Praxis aber war es ein täglicher Kampf. Manchmal war ich so gut drauf und dann war wieder dieses schlimme Gefühl. Vor allem Einsamkeit war ein großes Thema bei mir und damit hatte ich lange zu kämpfen. Die gute Nachricht ist, dass die schlechten Gefühle vorbei gehen und Meditation unheimlich hilft. Die schlechte Nachricht ist, dass auch die guten Gefühle vorbei gehen. Weil das Leben nunmal so ist

Gefühlt den ganzen Tag geweint hatte ich nach einem der längeren Reports mit Hildegard. Heute ging es um die Lehre von Buddha. (Ehrlich gesagt habe ich vergessen, an welchem Tag das war, aber eigentlich ist das sowieso egal) Die Lehre von Buddha besagt, dass die Menschheit folgenden Dingen unterliegt. Vergänglichkeit, Leiden und Nicht-Selbst. Ich erkläre hier einfach wie ich es verstanden habe. Ich bin keine Buddhistin, daher ist es auf diese Weise gesehen wahrscheinlich nicht richtig aber hier geht es ja schließlich um meinen Erfahrungsbericht :). Vergänglichkeit. Wir unterliegen ihr alle. Wir werden geboren und sterben, und jeder Moment geht vorbei. Ein Augenzwinkern und ein Moment ist schon wieder vorbei. Wir werden älter und sterben schließlich.. Oh man… mir war das ja alles klar, aber bewusst wurde es mir genau in diesem Moment. Es ist ein schreckliches Gefühl zu wissen, dass wir geboren werden um zu sterben. Noch schlimmer jedoch war die Vorstellung zu wissen, dass all meine Lieben auch sterben werden und mich irgendwann verlassen. Was für ein unheimlich trauriges Gefühl. Das hatte mich sehr lange beschäftigt.. Es sind Dinge die ich weiß, aber erst als ich sie erlebte so wie dort im Vipassana wurde es mir so klar. Du kannst so viel lesen wie du willst, du kannst so viel studieren wie du willst, verstehen wirst du es erst, wenn du es erfahren und erlebt hast.

Leiden: Oh man, was habe ich gelitten in diesen 14 Tagen. Gefühlt jeder Tag war schlimm, aber und das ist auch sehr spannend… Rückblickend wenn ich mit Hildegard sprach konnte ich aus den besonders schlechten Tagen die meisten Erkenntnisse ziehen. So war mein Heulkrampf aus dem Tag zuvor wieder nur mein Geist, der in der Zukunft war und sich Horror Zukunftsszenarien ausgedacht hat. Ich war oft so froh mit ihr darüber sprechen zu können. Wusste ich damals noch nicht, dass jeder Teilnehmer von Vipassana diese Stufen durchläuft. Wir Leiden um zu verstehen, wir leiden um zu lernen. Das Leiden gehört zum Leben dazu. Thats it! Und damit konnte ich auch irgendwie leben, denn auch das, wird vorüber gehen. Ein Satz der mich oft durch schwierige Tage brachte. Nachdem alles vergänglich ist, habe ich mir oft gesagt: Petra… das wird vorüber gehen…und so war es dann auch. Nur in manchen Momenten möchte das unser Geist einfach nicht akzeptieren und es dauert bis er es irgendwann versteht.

Akzeptieren. Etwas, das ich jedes Mal aufs Neue lernen muss. Es gibt Situationen die können wir nicht ändern. Sie sind genau so wie sie sind. Wenn wir dagegen ankämpfen stecken wir all unsere Energie hinein und wissen doch, dass wir sie nicht ändern können Das ist wirklich ein Shift gewesen. Aber ich musste es, damit ich es irgendwann verstand, immer und immer wieder lernen. Bei Vipassana ist es sowieso so, immer wenn du denkst: OK jetzt hab ichs, mir passiert nichts mehr hier… dann kommt der nächste Tiefpunkt aus dem du dich dann nur selbst wieder rausholen kannst… Aber so ist das Leben, ich darf es so annehmen wie es ist.. Aber zu dieser Erkenntnis bin ich erst nach langen und anstrengenden 14 Tagen gekommen

Schlaf und Energie: Es war krass, obwohl ich um 04.00 Uhr aufstehen musste, war ich fit, ich war so voller Energie, obwohl sich immer ein großer Widerstand in mir regte, noch so einen Tag erleben zu müssen. Das ist der Zauber der Meditation. Wenig Ablenkung, viel Training mit dem Geist und so können auch diese wundervollen und positiven Ereignisse stattfinden. Außerdem riechst du intensiver du schmeckst intensiver und ja das intensivere Fühlen ob gut oder schlecht, hatte ich ja bereits erwähnt.

Eines meiner größten Highlights war übrigens Tag 9. Denn dann endlich hatte ich den „Zen-Moment“ in mir gefunden. Die harte Arbeit hatte sich endlich ausgezahlt und ihr könnt euch nicht vorstellen, was die Meditation mit mir gemacht hat. Vom Nachmittag weg bis Abends war ich in einem meditativen Zustand voller Ruhe. Ich war sowas von zentriert und klar, es war so ein unbeschreibliches Gefühl der Ruhe und Kraft in mir, dass ich wahrscheinlich stundenlang hätte sitzen bleiben können. Aber ein wichtiger Punkt, den mir Hildegard mitgegeben hatte war: Nicht festhalten. Wenn wir an Dingen festhalten, wollen wir sie wieder und wieder und wieder erleben. Und dann sind wir enttäuscht wenn es eben nicht mehr so ist und ja…dann leiden wieder. So ist es leider mit vielen Dingen im Leben. Haben wir etwas gefunden oder jemanden den wir lieben und dann verlässt es oder er uns und dann… leiden wir… Allerdings ist das Festhalten menschlich und daher werden wir alle früher oder später daran oder darunter leiden.

Leider war auch dieser Tag ein Höhepunkt und ein Tiefpunkt zugleich… Meine Meditation war irgendwie so mit Energie aufgeladen, dass ich einen Schwindelanfall bekam und mich schlagartig hinsetzen musste. Krass, das war echt zu viel. Ich habe echt Angst bekommen.
Sowas wie Schwindel kenne ich nämlich eigentlich gar nicht. Ich bin sofort ins Bett gegangen und habe super schlecht geträumt und nach einer kurzen Nacht musste ich bereits um 03.00 Uhr aufstehen, da unsere Schlafenszeit um 1 Stunde verkürzt wurde.

Mein absoluter Tiefpunkt… Hildegard meinte, dass Schwindel normal ist und ich mich vorübergehend bei der Gehmeditation auch an einer Wand festhalten könnte. Ok, gesagt… getan… Leider wurde der Schwindel immer schlimmer und ich musste mich irgendwann mit beiden Händen an der Wand festhalten, um während des Meditierens nicht umzufallen. Ich hatte mich so reingesteigert, dass ich
Abends zusammenbrach. Ich konnte nicht mehr gehen oder sitzen weil mir so schlecht und schwindlig war. Ich wollte einfach nur noch nach Hause. Hildegard meinte, dass ich mich zu sehr reingesteigert hätte und, dass ich mit dem Schwindel schon viel früher hätte kommen müssen. Nach einem liebevollen Gespräch und einer Schlaftablette bin ich schließlich eingeschlafen. Am nächsten Tag bin ich aufgewacht und wir vereinbarten meine Meditationen herunterzufahren und meine Pausen zu verlängern, sodass der Schwindel sich langsam wieder abbauen könnte.

Wahnsinn, was ich alles in mir erschaffen konnte. Positives wie Negatives. Die letzten Tage waren somit etwas angenehmer, obwohl mich der Schwindel begleitete und bis heute (Der Tag der Heimfahrt) immer noch begleitet.

Im Nachhinein gesehen, war meine Vipassana-Erfahrung wie eine Bootsfahrt. Ich habe nur einen kleinen Rucksack und weiß eigentlich gar nicht wohin. Mal weht der Wind von rechts und mal von links. Mal regnet es mal schneits und manchmal ist der Wellengang so stark das ich kentere. Mit aller Kraft und Restenergie rette ich mich dann wieder ins Boot, ruhe mich kurz aus und kämpfe weiter. Und zum Schluss komme ich bei einer Insel an. Und diese Insel bin ich. Ich hatte immer das Bedürfnis so eine Erfahrung machen zu können um zu verstehen was und wie das Leben ist. Das Leben ist nicht schwarz oder weiß. Es ist bunt und strahlt und manchmal ist es auch matt und dunkel. Aber wenn ich im Moment lebe und das Bewusst, dann bin ich klar, dann tue ich genau das was ich tun sollte. Leben und Erleben und das bei ganzem Bewusstsein.

Am zweiten Tag sprachen wir darüber, dass ich mich immer so getrieben fühle und immer am liebsten alles gleichzeitig machen würde und dann sagte Hildegard etwas so berührendes, dass mir sofort die Tränen in die Augen brachte. Petra, es ist Zeit heimzukommen. Und das ist nicht in der Zukunft nicht in der Vergangenheit. Heimkommen ist genau hier in dir!! Und genau so ist es. Schmerzlich musste ich aber diesen Weg gehen, denn der einzige Augenblick der zählt und der jemals existieren wird ist jetzt!! Und jetzt ist genau gut was ich tue, egal was das ist.

Das war jetzt sehr lange und ich hoffe ich konnte euch ein wenig von Vipassana näher bringen. Zumindest aus meiner Sicht. Ich war übrigens hier: Bei Angelika, Mitchilena, Elisabeth und Hildegard. Eine unglaubliche Liebe, die ich dort erfahren habe. Das ist einfach unfassbar schön. Und ich wünsche mir von Herzen nur das Beste für jeden einzelnen von ihnen.

Übrigens Vipassana basiert rein auf Spendenbasis. Dana genannt.  Es bedeutet, du zahlst genau so viel wie du möchtest und wie viel es dir wert ist. Sodass jeder, der möchte diese Erfahrung machen kann. Aber ich finde sowieso, dass man dieses Erlebnis nicht mit Geld bezahlen kann. Es ist einfach unendlich wertvoll und es war für mich ein einzigartiges Geschenk.

Als ich heimkam, habe ich meinen Mama umarmt und ihr gesagt, dass ich sie liebe! So viel Wertschätzung und Dankbarkeit hatte ich in mir, die ich niemals wieder verlieren möchte.

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